Weithin lodernde Flammen sorgten für mystisches Spektakel

Die alte Tradition des Feuerrad-Rollens zum Abschluss der Fastnachtszeit - der Winter soll vertrieben werden - hat schon etwas Mystisches. Wenn dann auch wie jetzt in Heddesbach der Wind sein Spiel mit dem Feuer treibt, lässt sich erahnen, warum dieses als eines der vier Naturelemente in früheren Zeiten als so Ehrfurcht gebietend betrachtet wurde. Heute halten die örtliche Feuerwehr, der MGV und die Theatergruppe dieses grandiose Spektakel hoch, das im Ort schon seit der Zeit zwischen den Weltkriegen belegt ist.


Die Form des Winteraustreibens - damals als Scheibenschlagen - findet sich vor fast 1.000 Jahren erstmals in der Chronik des Klosters Lorsch. Am 21. März 1090 vernichtete ein Feuer große Teile des Klostergebäudes, hervorgerufen durch eine brennende Holzscheibe, die als Volksbrauch zur Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche in die Luft geschleudert wurde. Heutzutage findet sich der Feuerrad-Brauch nur noch ganz selten in Deutschland. Ein Schwerpunkt ist der südliche Odenwald mit - neben Heddesbach - dem benachbarten Langenthal und Darsberg.

Dieser Brauch wird schon seit vielen Jahren vom Männergesangverein gepflegt. Bereits ein paar Tage vorher wird das Gitterrad mit Stroh gestopft. Es hat einen Durchmesser von 2,50 und eine Breite von 1,50 Metern. Ein Traktor transportiert es den Dammberg hinauf und bringt es in Position. Dann wird das die Sonne symbolisierende Feuerrad an Stangen den Berg hinab auf den hoch lodernden Fastnachtshaufen im Tal, bestehend aus ausrangierten Christbäumen und Grünschnitt, geführt. Die lange Brandspur verkörpert dabei die Erwärmung der Fluren durch den nahenden Frühling.

Dieses Jahr war alles ein klein wenig anders. Zum Glück wurde es wenigstens rechtzeitig trocken. Der Wind pfiff aber allen Beteiligten heftig um die Ohren und sorgte bei der Sportanlage im Tal für meterlange Rauchschwaden des zuvor angezündeten Christbaumfeuers. Das war schon fast heruntergebrannt, als zehn kräftige Männer von Feuerwehr und MGV das Feuerrad den Dammberg hinab führten. Sie mussten sich wegen der Windböen besonders schützen, denn beeindruckende Flammenspiele loderten zur Seite hin auf. 

Wenn auch der Regen eine halbe Stunde vorher aufgehört hatte, so waren die Außenbedingungen dennoch etwas ungemütlich. So kam es, dass weniger Besucher als sonst zur Hütte an den Ulfenbach gekommen waren. Der plätscherte, voll mit Wasser, schon knapp unterhalb des Randes. Drinnen wurde fröhlich weitergefeiert mit Alt-Bier aus Düsseldorf, Kräuter- und Williams-Schnaps. Und natürlich kamen die bekannten „Harfenburger“ auf den Teller, aber auch Fisch- und Lachsbrötchen. Der Glühwein half gegen die aufkommende Kälte.  

Die Veranstaltung in Heddesbach hat eine lange Tradition. Schon zwischen den beiden Weltkriegen wurde das Feuerrad zu Tal gerollt. Selbst während des Krieges hielten die Bewohner des kleinen badischen Dorfs daran fest. Heutzutage ist sie ein beliebter Treffpunkt für Gäste aus nah und fern.

Quelle: Thomas Wilken